Interview mit Ines Paulus, Hotel Managerin im Scandic Hamburg Emporio

„Der ökonomische Erfolg gibt uns Recht“

Bild: Scandic Hotels
— „Es geht nicht nur um die Umwelt, sondern verstärkt auch um soziale Faktoren und unsere Rolle in der Gesellschaft.“ — Ines Paulus, Hotel Managerin Scandic Hamburg Emporio

Die Scandic Hotels steckten sich bereits vor 25 Jahren sehr konkrete Ziele im Bereich Nachhaltigkeit. Zwar wandelte sich der Begriff im Lauf der Zeit. Doch Wirtschaftlichkeit und verantwortungsbewusstes Handeln gehen für die skandinavische Gruppe damals wie heute Hand in Hand. - von Interview: Isabell Schreml

Bild: Scandic Hotels
Das Scandic Hamburg Emporio wurde explizit den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges... mehr...

Hotel+Technik: Frau Paulus, die ersten Überlegungen zum Thema Nachhaltigkeit gehen bei Scandic bereits auf das Jahr 1993 zurück. Woher kam dieses relativ frühe Bewusstsein?

Ines Paulus: Die Herausforderungen am Markt führten dazu, dass Scandic sich Gedanken darüber machen musste, wie wir die Wirtschaftlichkeit der Scandic Hotels sichern. Es ging darum, Ressourcen zu schonen, nachhaltige und natürliche Materialien sowie regionale Produkte zu verwenden und sinnvolle Lösungen für Gast und Umwelt zu finden. Der nicht zuletzt ökonomische Erfolg der Maßnahmen gibt uns Recht.

Wie haben Sie den Begriff der Nachhaltigkeit damals definiert und wie heute?

Nachhaltigkeit bezog sich früher vor allem auf klassische Themen wie Ressourcenschonung und Umweltschutz. Heute verstehen wir den Begriff ganzheitlich für alle Bereiche unseres Wirtschaftens. Es geht nicht nur um die Umwelt, sondern auch verstärkt um soziale Faktoren und unsere Rolle in der Gesellschaft. So stehen jetzt auch Themen wie Diversität und Inklusion sowie die Gesundheit der Gäste und Mitarbeiter im Fokus. Durch unsere „Scandic@Society“-Initiative liefert jedes Hotel mit eigenen Aktionen einen Beitrag. Zudem sind die „UN Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie geworden.

Das heißt, es gibt für jedes Haus individuelle Grundsätze? Oder gelten die Richtlinien für die gesamte Gruppe?

Es gibt einen ausführlichen Katalog mit Punkten, der für alle Hotels der Gruppe gilt. Von Mitarbeitertraining über Ressourcenverbrauch, Abfallmengen, Umweltsiegel und Ausstattung bis zum Speisen- und Getränkeangebot ist darin jeder wichtige Aspekt erfasst. Jedes Hotel muss anhand dieser Fragen einmal pro Jahr ein Self-Audit durchführen und dort, wo noch nicht alle internen Anforderungen erfüllt sind, hinterlegen, wie und bis wann diese Punkte erledigt sein werden. Des Weiteren geben alle Hotels zentral ihre Verbrauchswerte bei Energie, Abfall usw. an. Die Ergebnisse werden dann für die ganze Gruppe zusammengefasst und ausgewertet.

Wie ordnen Sie Ihr Engagement im Vergleich zu anderen Hotelgruppen ein?

Viele Hotelgruppen beschäftigen sich heute mit dem Thema umweltbewusstes Handeln in Hotel und Gastronomie. Wir stellen diesen Aspekt aber klar in den Vordergrund und denken dabei auch an kleinste Details. Innerhalb der Scandic Gruppe vertreten wir eine ganz klare Einstellung, deren uneingeschränkte Unterstützung wir von all unseren Mitarbeitern erwarten. Das Training unseres Teams beginnt bei unserem „Welcome Day“ für neue Mitarbeiter, an dem das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen ein Pflichtbaustein ist, und wird im Arbeitsalltag weiterverfolgt. Unser Engagement wird in all unseren Betrieben konsequent umgesetzt, ob es um unser Scandic-Wasser oder die Nutzung von 100 Prozent Ökostrom geht.

Wurden bereits beim Bau des Scandic Hamburg Emporio Nachhaltigkeitsstandards einbezogen?

Der Eigentümer Union Investment Real Estate ist selbst aktiv im Bereich nachhaltiges Bauen. Das Gebäude wurde explizit entsprechend den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) geplant.

Welche Umweltziele hat sich Scandic in den nächsten Jahren gesteckt?

Scandic verfolgt derzeit Hauptziele in den vier Bereichen Diversität und Inklusion, Gesundheit, CO2-Emissionen und Abfall. Bis 2020 möchte Scandic ein Vorbild für gelebte Chancengleichheit in der Hotellerie sein. Ziel ist, dass dann mindestens 90 Prozent der Mitarbeiter den Umgang mit dem Thema Diversität positiv bewerten. Im Bereich Gesundheit möchte die Gruppe bis 2020 die bevorzugte Hotelkette von Gästen werden, die sich für einen gesunden Lebensstil entschieden haben. Außerdem unterstützen wir die Work-Life-Balance unserer Mitarbeiter. Ebenfalls bis 2020 wollen wir weitere zehn Prozent unserer CO2-Emissionen einsparen. Nicht zuletzt bleibt das Thema Abfallvermeidung und Recycling sehr wichtig für uns. Bis 2020 werden wir unsere recycelten Abfälle um weitere zehn Prozent steigern, indem wir mit Foodsharing-Initiativen zusammenarbeiten und unser Speisenangebot auf Buffets dementsprechend anpassen.

„Es ist uns wichtig, nicht missionarisch mit unseren Gästen umzugehen.“

Ines Paulus

Wie möchten Sie das schaffen?

Beispielsweise wird unser Netzwerk an Elektro-Ladesäulen weiter ausgebaut.

Wie schaffen Sie es, Nachhaltigkeit rentabel zu gestalten?

Nachhaltig sein ist oft gleichbedeutend mit rentabel wirtschaften. Viele Dinge, die wir tun, sind kosteneinsparend: Dass wir keine Tischwäsche benutzen, ermöglicht uns enorme Einsparungen beim Wasser- und Waschmittelverbrauch. Die Vermeidung von Einzelverpackungen und sorgfältige Mülltrennung senken unsere Abfallkosten. Und Ökostrom ist auch nicht unbedingt teurer als anderer Strom.

Welche Rolle spielen die Mitarbeiter?

Eine ganz wichtige. Nur wenn sie diese Haltung selbst vertreten und den Gästen gegenüber plausibel formulieren können, sind wir erfolgreich. Dabei ist uns wichtig, dass wir nicht missionarisch oder erzieherisch mit unseren Gästen umgehen.

Können Sie Beispiele nennen?

Wenn die Gäste im Zimmer den Müll nicht korrekt trennen, kümmern sich unsere Mitarbeiter darum, ohne den Gast darauf hinzuweisen. Beim Frühstück erklären sie den Gästen, warum wir auf Verpackungen und Tischwäsche verzichten. Im Hamburger „Green Committee“ kommen Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen zusammen und erarbeiten neue nachhaltige Projekte in puncto Umwelt und Soziales. So haben wir beispielsweise eine Wärmerückgewinnungsanlage bei unserer Staubsaugeranlage einbauen können.

Und welche Rolle spielen die Gäste?

Der Gast hilft mit, indem er bei uns wohnt und unser Angebot wertschätzt. Natürlich kann sie oder er auch von unseren Fahrrädern Gebrauch machen, statt das Auto zu benutzen, oder bei der Mülltrennung im Zimmer mitmachen. In erster Linie wollen wir aber als Hotelgruppe ein Zeichen setzen und zeigen, dass jeder seinen Teil beitragen kann.

Was bedeutet das für Sie persönlich?

Nachhaltigkeit ist mir persönlich sehr wichtig. Seit ich bei Scandic arbeite, spielen die Themen Umweltbewusstsein und Abfallvermeidung eine noch größere Rolle in meinem Leben, da ich jeden Tag sehe, was wir selbst dazu beitragen können. |

Zur Person

Ines Paulus agiert seit 1. April 2018 als Hotel Managerin im Scandic Hamburg Emporio. Zuvor war sie im Scandic Berlin Potsdamer Platz in ihrer Rolle als Rooms Division Managerin für die Abteilungen Housekeeping, Frontoffice und Technik verantwortlich. Ihre Karriere startete die gelernte Restaurantfachfrau in verschiedenen Positionen im Food & Beverage-Bereich, darunter auch für Hilton in Berlin. Ab Mai 2013 war Ines Paulus unter anderem als Food & Beverage Managerin im Scandic Berlin Potsdamer Platz tätig.

www.scandichotels.de

 
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