Hoteldesign + Interieur | Ausgabe 04/2018

Neues Interieur im Infinity Hotel & Conference Resort Munich

Design, das bleibt

Bild: Eckhart Matthäus / INFINITY Munich
Petrol und Zimt setzen Akzente in der neuen Lobby-Bar des Infinity.

Beim Umbau des Hotels im Münchner Norden setzen die Eigentümer auf hochwertige Ausstattung und Authentizität. Für Interieur-Designer Peter Buchberger die ideale Spielwiese für sein Konzept des „Slow Living“ als Gegenentwurf zu kurzlebigen Trends. - von Isabell Schreml

Bild: Eckhart Matthäus / INFINITY Munich
Im Spa schaffen elegante Farben Wohnlichkeit.

Sie müsse „schmerzhaft“ sein: Die Beziehung zwischen Hoteleigentümer und seinem Interieur Designer. Andreas Striebel scherzt beim Rückblick auf die kreative Auseinandersetzung mit seinem Sparringspartner Peter Buchberger. Hinter ihnen liegt die intensive Umbauphase des Infinity Hotel & Conference Resort Munich. In einem ersten Schritt wurden in den vergangenen Monaten Lobby, Bar und Spa neu gestaltet. Peter Buchberger, der in München ein exklusives Büro für Innenarchitektur betreibt, sitzt lachend neben Hotelinhaber Striebel. Offensichtlich waren sich Hotelier und Kreativer in allen wichtigen Fragen einig.

Auf 600 Quadratmetern eine wohnliche Lobby mit verschiedenen Bereichen zu schaffen, die dem Gast sowohl Rückzugsräume bietet als auch die Möglichkeit, am Trubel des Hotellebens teilzuhaben: Diese Herausforderung hat Buchberger angenommen. Er schuf zwei verschiedene Ebenen, kombinierte dunkles Walnussholz mit einem grafisch gemusterten Teppich und behaglichen Sesseln. Stoffe in Petrol und Zimt setzen Akzente, ohne aufdringlich zu sein. Gäste können zwischen Sitzgruppen wählen oder am langen Tisch, der an eine Familientafel erinnert, Platz nehmen. Mehr als fünfzig namhafte Hersteller aus ganz Europa lieferten Sessel und Sofas, Stühle und Hocker, Lampen und Tische, beispielsweise Seidenstoffe von Jim Thompson, Sessel von Baxter oder Vitra, Solitäre von Classicon. So wirkt der Bar-Bereich trotz seiner Größe wie ein privater Salon. Besonders wichtig ist Peter Buchberger das richtige Licht. Dafür legt er schon mal selbst Hand an und baut Lampen entsprechend um.

Auch im 1.700 Quadratmeter großen Spa-Bereich, der Münchens größter sein wird, setzten Buchberger und sein Team auf elegante Farben und hochwertige Materialien. Eine Reise nach Hongkong inspirierte den Interior Designer: Dunkles Walnussholz wird mit hellem Stein aus Travertin kombiniert, Teardrop-Leuchten von Flos erinnern an Wasser. Als Kontrast zu Steinen, Holz und Messing wählte Buchberger sinnliche Textilien, beispielsweise edle Stoffe von Dedar. Bis zum Sommer werden auch noch sämtliche Zimmer, Suiten sowie das Restaurant im Neubau gestaltet. Rund 28 Millionen Euro kostet der gesamte Umbau.

Viel Platz dank dezentraler Lage

Andreas Striebel weiß, dass er mit seinem Hotel, das bis vor etwa einem Jahr noch unter dem Namen Dolce Munich Unterschleißheim firmierte, eine ganz andere Zielgruppe bedient als ein Haus in Innenstadtlage. „Im Idealfall verbringt unser Gast den ganzen Tag bei uns.“ Sei es nun der Konferenzteilnehmer – mit der guten Flughafen-Anbindung ist das Infinity ein beliebtes Konferenzhotel – oder der Erholung suchende Wellnessurlauber. Die nicht-zentrale Lage erweise sich als großes Plus: Platz gibt es genug – für den großzügigen Lobby- und Barbereich, diverse Restaurants, eine „Almhütte“ und das XXL-Spa.

Ab September 2018 wird das Haus 439 Zimmer haben, die Kapazität für Events reicht bis zu 2.750 Personen. Gerade wegen dieser Größe war es für den Interieur-Designer wichtig, den einzelnen Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren. Er möchte auch in einem großen Hotel individuelle Ruheplätze schaffen. Buchberger sieht darin die besten Voraussetzungen für sein Konzept des „Slow Living“ als Äquivalent zur etablierten „Slow Food“-Bewegung. Er vergleicht sein kreatives Wirken mit dem eines Kompositeurs, der aus einem Repertoire guter Designs auswählt und so eine dem jeweiligen Ort entsprechende Atmosphäre schafft. Seine Klientel ist bunt gemischt: Von der Privatwohnung über Konzepte für Gastronomiebetriebe wie das Münchner Käfer-Restaurant oder das Hotel Ochsentor in Andernach am Rhein. |

Drei Fragen an Interior-Designer Peter Buchberger:

Hotel+Technik: Sie reisen selbst sehr viel. Wie muss eine Hotellobby gestaltet sein, damit Sie sich wohlfühlen?
Peter Buchberger: Ich mag es nicht, wenn ein Design zu aufgeregt, zu sehr auf Effekthascherei ausgelegt ist. Authentizität ist mir wichtig, das bedeutet, ehrlich und originär zu sein und nicht mit aller Gewalt einen gewissen Stil zu kopieren. Außerdem lege ich viel Wert auf Qualität bei den verwendeten Materialien.


Sie gestalten Privatvillen, aber in letzter Zeit auch immer mehr Hotelprojekte. Wie unterscheidet sich die Arbeit?
Privatpersonen sind anstrengender und beratungsresistenter. Dank Internet wird heutzutage ja jeder schnell zum Fachmann. Hoteliers lassen sich mehr leiten und vertrauen unserer Erfahrung. In jedem Fall aber muss die Chemie zwischen Auftraggeber und Designer stimmen, das ist die Voraussetzung für jedes gelungene Projekt.

Welche allgemeinen Trends nehmen Sie im Hoteldesign wahr?
Trends sind kurzlebig und austauschbar. Gutes Design ist immer zeitloses Design. Ich denke, dass sich nicht nur beim Bau und im Hotelbetrieb nachhaltige Konzepte durchsetzen werden, sondern auch im Innendesign: Etwas schaffen, das Bestand hat und nicht nur einen kurzfristigen Wow-Effekt.  

www.infinity-munich.de
www.rkpb.de

 
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