Alpenresort Schwarz in Tirol

Wo Wandel Tradition hat

Bild: Alpenresort Schwarz
Vom ehemaligen Stammhaus blieben nur die Grundmauern. Die drei neuen Stockwerke wurden in Holzbauweise gefertigt.

Für Hotelierfamilie Pirktl gehören Veränderungen zur Routine: Über die Jahrzehnte entstand aus ihrem Gasthaus ein Urlaubsparadies, das bis heute kontinuierlich und organisch wächst. Jüngstes Projekt: In nur einem halben Jahr wurde das Stammhaus ab- und wieder aufgebaut – bei laufendem Betrieb. - von Isabell Schreml

Bild: Alpenresort Schwarz
Holz ist auch in den neuen „Sky-Suiten“ bevorzugter Baustoff.

Auf dem Weg zum Zimmer mag sich so mancher Neuankömmling fragen: „Werde ich je zurück zur Rezeption finden?“ Zwar wird jeder ankommende Gast des Alpenresort Schwarz persönlich zu seinem Zimmer geführt, doch angesichts so mancher Windung im Lageplan bleiben dem Ortsunkundigen noch ein paar Zweifel. Diese zerstreuen sich jedoch schnell, denn obwohl das Fünf-Sterne-Resort im österreichischen Mieming in den letzten Jahrzehnten stetig um neue Gebäude und Anbauten gewachsen ist, sind die Wege und auch das Gesamtkonzept recht klar. Hotelchef Franz-Josef Pirktl sieht das Schwarz als „Traditionshaus mit starken regionalen Wurzeln, das sich im Laufe der Jahre zusammen mit seinen Gästen immer wieder wandelt und weiterentwickelt.“

Während des jüngsten Um- und Neubaus ließ Familie Pirktl in nur sechs Monaten das Stammhaus nahezu bis auf seine Grundmauern abtragen und wieder aufbauen. Außerdem wurde der Restaurantbereich im Erdgeschoss des Stammhauses nach Westen hin erweitert, inklusive Dachterrasse mit Infinity Pool. „Bei uns finden alle Generationen ihren Platz“, so Franz-Josef Pirktl. Damit meint er nicht nur seine Gäste, sondern auch seine eigene Familie.

Bereits 1694 als Herrenhaus erbaut, geht das Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Geschwister Schwarz über. Die beiden Schwestern bleiben kinderlos und vererben das Anwesen ihrem Neffen Franz Pirktl. Franz und seine Frau Agnes, eine begeisterte Köchin, haben schon in den 1940er-Jahren Sommerfrischler bei sich zu Gast. Ab 1955 wird das Haus ganzjährig als Gasthof geführt. Ein altes Schild mit der Aufschrift „Zimmer m. Fl. Wasser u. Zentralheizung“ erinnert noch heute an diese Zeit. In den Folgejahren wird das Haus immer weiter ausgebaut und erneuert.

Österreichs schönster Hotelgarten

1963 übernimmt der Sohn – der heutige Seniorchef Franz Pirktl ­– die Geschäftsführung. Gemeinsam mit seiner Frau Martha baut er den Gasthof zu einem exklusiven Wellnessresort auf einer Fläche von 32.000 Quadratmetern mit angrenzendem Golfplatz aus. Beide Seniorchefs sind auch heute noch täglich im Haus unterwegs, Martha Pirktl kümmert sich unter anderem liebevoll um den Hotelgarten, der bereits als schönster in ganz Österreich ausgezeichnet wurde.

Heute führt Sohn Franz-Josef zusammen mit Ehefrau Katharina und Bruder Thomas die Geschäfte. Unterstützt werden sie von 260 Mitarbeitern: Sie spielen im Alpenresort eine tragende Rolle. „Unsere Mitarbeiter sind ganz nah dran an den Gästen und ihren Wünschen. Wir müssen diese nur noch interpretieren und wirtschaftlich umsetzen“, so Hotelier Pirktl. Das direkte Feedback der Gäste fließe in sämtliche Umbaumaßnahmen mit ein.

Auch die Reaktion der Gäste auf die letzte Modernisierung wird von den Mitarbeitern aufmerksam registriert. Die 60 neu gestalteten Zimmer im Stammhaus sind seit ihrer Fertigstellung Anfang Juli nahezu durchgehend gebucht, das Feedback sei „sehr positiv“. 20 Zimmer kamen dazu, was die Gesamtzimmeranzahl des Resorts auf 150 erhöht – verteilt auf vier Einzelhäuser. Neben sechs Doppel- und acht Einzelzimmern sind auch sechs „Sky-Suiten“ neu hinzugekommen: Auf rund 97 Quadratmeter und zwei Ebenen verteilt verfügen die Gäste dort über ein Wohnzimmer mit Lounge-Küche, Wohn- und Essecke, zwei Schlafzimmer mit jeweils eigenem Bad und eine Panorama-Saunakabine mit Infrarotliegen sowie Farb­lichttherapie auf dem Balkon. Die Übernachtung in einer der Suiten kostet für bis zu vier Personen ab 1.050 Euro.

Flaniermeile mit Vinothek und Blumenladen

Für den Umbau wurde das ehemalige Stammhaus bis nahezu auf seine Grundmauern abgetragen. Drei neue Stockwerke wurden in Holzbauweise vorgefertigt und vor Ort aufgesetzt. „Das hat die Bauzeit enorm verkürzt “, so Hotelchef Pirktl. Wartezeiten seien nur noch für das Trocknen des Estrichs angefallen. Die Fassade wurde mit Altholz verkleidet und fügt sich nun stimmig ins Gesamtensemble ein. Komplett neu ist der Restaurantbereich „Genusswelt“ mit insgesamt acht optisch abgegrenzten „Stuben“, einem Front Cooking Bereich, einer Terrasse sowie einer kleinen „Flaniermeile“ inklusive Vinothek und Blumenladen. Auf dem Dach des Neubaus thront ein 25-Meter-Infinity-Pool.

Doch die Modernisierung beschränkte sich nicht nur auf die für den Gast sichtbaren Bereiche. Auch im sogenannten Back-End gab es weitreichende Veränderungen: Die Küche wurde umgebaut, Lagerräume wurden vergrößert, Versorgungswege verkürzt und die Abfallentsorgung wurde auf den aktuellsten Stand der Technik gebracht. „Das erhöht die Effizienz der internen Abläufe enorm“, so der Hotelchef. Außerdem wurde eine zusätzliche Tiefgarage mit 42 Stellplätzen gebaut. Bei allen Maßnahmen spielte Nachhaltigkeit eine Rolle – auch bei der Energieversorgung: Eine Mikrogasturbine fungiert als eigenes Stromkraftwerk, das die Abwärme für Warmwasser nutzt. Franz Pirktl: „Die Mikrogasturbine ist ein Blockheizkraftwerk. Sie läuft rund 8.000 Stunden pro Jahr und dient auch als Notstromversorgung. Die erzeugte Energie wird zur Gänze im Resort verwendet.“ Insgesamt kosteten die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten rund 18 Millionen Euro.

Zwischen 150 und 180 Bauarbeiter waren teils gleichzeitig vor Ort. Für Bauleiterin Daniela Hendl keine Ausnahmesituation: „Ich bin seit 2014 im Alpenresort tätig und seither wurde immer gebaut. Bei Traditionshäusern ist der Altbestand eine große Herausforderung: Wir konnten nie wissen, mit welchen Überraschungen und Problemen zu rechnen ist. Die Bauzeit muss trotzdem eingehalten werden, und das alles im laufenden Hotelbetrieb.“

„Auf viele Stammgäste bauen“

Beim aktuellen Umbau spielte deshalb auch die Logistik eine große Rolle, damit die Gäste mit nur geringen Einschränkungen konfrontiert wurden. Diese konnten im angrenzenden Restaurant „Greenvieh“ zu Abend essen, Buffetbereiche wurden verlagert, Übergänge diskret verkleidet und die Lärmbelästigung hielt sich laut Franz-Josef Pirktl durch die Holzbauweise in Grenzen. Außerdem kommunizierten die Mitarbeiter den Umbau aktiv und informierten aktuell über den Stand der Dinge. Es wurden regelmäßig Newsletter verschickt, Ermäßigungen gewährt und Baustellenführungen angeboten. „Wir können auf viele Stammgäste bauen, die die Entwicklung des Hauses über die Jahre hinweg mitverfolgen und schon immer gespannt sind, was es Neues gibt“, sagt Hotelier Pirktl.

Im Alpenresort Schwarz gehören Veränderungen zum Konzept des sich ständig wandelnden Resorts. Die größten Umbaumaßnahmen der vergangenen Jahre fanden 2016 statt, als das Saunadorf entstand. Dieses erstreckt sich im Anschluss an den bestehenden Saunabereich in Form von alpinen Chalets inklusive Teich zur Abkühlung. Familie Pirktl möchte mit der Zeit gehen und dabei ihrem Stil treu bleiben. Den beschreibt der Hotelchef als „elegant-modern, gemütlich, dem Lebensgefühl der Alpen entsprechend“. Seit fast 20 Jahren arbeitet das Haus mit dem gleichen Hotelplaner, Karl Landauer, zusammen. Holz als zentrales Gestaltungselement ist allgegenwärtig, wenn auch immer wieder neu interpretiert.

Das Schwarz sei ein gewachsenes Resort, das zwar verschachtelt wirke, aber dadurch auch jedem seine Lieblingsecke biete. Bei der Frage nach seinem Lieblingsplatz muss Hotelchef Pirktl nicht lange nachdenken: Dies bleibe für ihn immer die Sitznische im Erdgeschoss des Stammhauses, wo er schon als Junge gegessen habe. Sie hat auch die neuesten Umbaumaßnahmen überdauert. Und: „Weitere werden kommen, die Nische bleibt.“

www.schwarz.at

Steckbrief

  • Eigentümer:
    Pirktl Holiday GmbH & Co KG
  • Leitung:
    Franz-Josef Pirktl
  • Zimmeranzahl:
    150
  • Zimmerpreis:
    ab 198 Euro pro Person
    (inklusive Vollpension)
  • Besonderheiten:
    Saunadorf, „Flaniermeile“ mit Vinothek und Blumenladen, Front Cooking Bereich, Infinity-Pool, ,97 m² große „Sky-Suiten“ mit Panorama-Saunakabinen, angrenzender Golfplatz

 
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